Marke in Zeiten von Corona

5 Fragen an Johannes Angerer

Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Medizinischen Universität Wien

Johannes Angerer MedUni Wien Interview Marke in Zeiten von Corona

1. Betrachtet man die aktuelle Lage, was ändert sich in der Markenführung der MedUni Wien? 

Die Corona-Krise war und ist eine besondere Herausforderung und zugleich große Chance für die Marke MedUni Wien. Die permanente Präsenz von Expert/innen der Universität in den Medien hat die Bekanntheit der Marke jedenfalls national ganz massiv erhöht. Innerhalb der Wissenschaftscommunity ist dies etwa durch die Teilnahme an über 100 Forschungsprojekten zum Thema Covid-19 auch international gelungen. Unsere Aktivitäten bei der Markenführung werden sich in naher Zukunft vor allem auf interne Maßnahmen, Stichwort „Employer Branding“, konzentrieren.

MedUni Wien

2. Inwiefern hat sich die konkrete Markenkommunikation auf dem Weg in die Krise und in der Krise selbst verändert?

Die Krise hat unsere Kommunikationsaktivitäten sehr rasch und ganz stark auf klassische PR-Bereiche wie Pressearbeit und interne Kommunikation fokussiert. Der Bedarf von Medien an Einschätzungen der jeweiligen Situation während der Krise durch medizinische Expert/innen unterschiedlicher Fachrichtungen war die ganze Zeit über enorm. Standen anfangs beinahe ausschließlich Virolog/innen im Vordergrund des Interesses, kamen rasch weitere Bereiche wie Vakzinologie, Intensivmedizin, Komplexitätsforschung, Public Health und zuletzt rund um das Thema Long Covid eine ganze Reihe anderer medizinischer Fachbereiche dazu. Die Koordination dieser Aktivitäten und die Aufgabe, dabei die Marke MedUni Wien jeweils möglichst sichtbar zu machen, war eine ganz besondere Herausforderung für alle Akteure und unser Team. Während anfangs andere die Marke betreffende Kommunikationsbereiche wie etwa Event oder Fundraising vor allem aufgrund der Lockdowns völlig in den Hintergrund getreten sind, hat sich das zuletzt durch die Implementierung von Online-Events rasch geändert. Wir haben dafür an unserem Standort sogar ein eigenes AV-Studio eingerichtet, das mittlerweile hoch frequentiert ist.

Zu Beginn der Krise herrschte unter den Mitarbeiter/innen, besonders im klinischen Bereich  ein starkes Informationsbedürfnis, was wiederum erhöhte interne Kommunikationsaktivitäten und neue Kanäle, bis hin zu einer Mitarbeiter/innen-Hotline per Mail und Telefon, notwendig gemacht hatte.

3. Eine erfolgreiche operative Umsetzung braucht immer auch viele Menschen. Ist es jetzt in der Krisensituation schwieriger oder leichter geworden, das notwendige Engagement der Kolleginnen und Kollegen für die gemeinsame Arbeit an der Umsetzung der Markenvision zu gewinnen?

Vielen ist durch die Krise jetzt noch bewusster geworden, wie wichtig die Themen Marke und Kommunikation für das Bild einer Organisation in der Öffentlichkeit sind. Aber auch über die eigene Organisation hinaus hat sich die Zusammenarbeit mit anderen Playern im Bereich Kommunikation und Marke stark verbessert. Die enorme Präsenz der MedUni Wien in den Medien etwa hat die Zusammenarbeit mit MedienvertreterInnen nicht nur intensiviert, sondern auch qualitativ verbessert. Das gegenseitige Verständnis für Bedürfnisse, Positionierung und Produktionsbedingungen etwa ist stark gestiegen.

4. Welche Themen und Bereiche sehen Sie als primäre Herausforderungen in der Markensteuerung der nächsten Jahre? Was sind die größten Chancen? Worauf möchte sich die MedUni Wien fokussieren?

Die MedUni Wien wird sich in Zukunft noch stärker auf zwei Bereiche konzentrieren: Der eine Bereich umfasst das eigene Personal, vor allem die Führungskräfte, der zweite betrifft die internationale Reputation der Universität, vor allem als Forschungsinstitution. Daher werden wir ein während der Krise unterbrochenes Programm namens „Leadership & Reputation“ möglichst rasch wieder weiterführen. Ziel und Chance für die MedUni Wien ist es dabei, Führungskräfte noch stärker als bisher zu Markenbotschafter/innen der Universität zu machen, die internationale Sichtbarkeit und Reputation der Organisation zu stärken und sich damit letztlich Vorteile im Wettbewerb um die „besten Köpfe“ zu verschaffen.

5. Erwarten Sie eine Verschiebung in der Bedeutung der unterschiedlichen Kanäle, Touchpoints und Disziplinen? Was wird wichtiger werden und was voraussichtlich an Bedeutung verlieren?

In allen Bereichen wird sich die Digitalisierung noch stärker als bisher durchsetzen und bisherige Kanäle erweitern bzw. teilweise wohl auch ersetzen. Das gilt für den Pressebereich genauso wie für die interne Kommunikation, Corporate Publishing oder den Eventbereich. Die klare Definition der jeweiligen Dialoggruppen wird ebenso wie die Bereitschaft zu umfassender Interaktivität ein noch wichtigerer Erfolgsfaktor als bisher werden.

Foto Portrait: ©  Johannes Angerer: MedUni Wien/F. Matern