Orte ohne Eigenschaften

Die Presse / 24. Oktober 2009

„Dabei gäbe es für die Gemeinden viel zu viel zu gewinnen, findet Markenberater Thomas Hotko von der Brandingagentur Buero 16: ‚Alle Gemeinden stehen heute in einem Wettbewerb – um Aufmerksamkeit, Zuzügler oder Wirtschaftreibende zum Beispiel.‘ Und in diesem Wettbewerb könnte das Markenimage einer Stadt durchaus entscheidend sein – etwa, weil ein Ort gut an Verkehrsrouten gelegen ist, weil er besonders gute Wohnqualität hat oder ein funktionierendes Vereinsleben – oder zumindest, weil er eben einen solchen Ruf genießt.“

„ ‚Jede Gemeinde hat etwas Einzigartiges‘, sagt Markenberater Hotko. Dieses Einzigartige – ‚das kann eine Sehenswürdigkeit, ein berühmter Sohn des Ortes oder auch einfach nur die Lage sein‘ – gilt es herauszuarbeiten, und gemeinsam mit den Gemeindebürgern muss herausgefunden werden, was denn eigentlich die unverwechselbaren, individuellen Merkmale des Ortes sind. Erst in der Folge kämen die klassischen Werbemaßnahmen, etwa die Erstellung eines Corporate Designs für die Gemeinde. ‚Das ist ein umfangreicher Prozess, bei dem die Gemeinden gemeinsam mit ihren Bürgern in Arbeitsgruppen, Umfragen und Diskussionsrunden eintreten und nach dem Individuellen suchen, das das Markenimage prägen könnte‘ , erklärt Hotko.“

„ ‚Viele Gemeinden, die, jetzt machen wir Marketing sagen, nehmen sich zu viel vor‘, sagt Markenberater Hotko. Besonders, wenn die Bürger in die Markensuche miteingebunden werden, kämen oft viele verschiedene Identitäten heraus: etwa, dass sich eine Gemeinde als Schul-, Wohn-, Einkaufs- und Sportstadt bezeichnet – und damit erst recht nicht mehr unverwechselbar wird. ‚Gemeindemarkenbildung heißt auch, auf manche Aspekte der Gemeindeidentität zu verzichten‘, so Hotko.“

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